Die Njörður Holding plant in Grundartangi im Hvalfjörður den Bau einer Magnesiumfabrik mit einer Jahreskapazität von 50.000 Tonnen. Das Magnesium soll mithilfe eines neuen Verfahrens direkt aus Meerwasser gewonnen werden. Wären die Pläne erfolgreich, entstünde dort die einzige Magnesiumproduktionsanlage Europas, berichtet RUV.
Die Anlage würde rund 90 Megawatt Energie benötigen. Etwa 75 MW sollen aus dem Stromnetz von Landsnet stammen, weitere 15 MW aus der Abwärme des Elkem-Werks in Grundartangi. Damit entspräche der Energiebedarf in etwa der Jahresproduktion des Kraftwerks Vatnsfellsvirkjun in der Þjórsá.
Laut Umweltverträglichkeitsplan, der nun in der Skipulagsgátt veröffentlicht wurde, soll die Fabrik jährlich rund 40 Millionen Kubikmeter Meerwasser nutzen – etwa 1,25 Kubikmeter pro Sekunde. Das Wasser wird in 30 Metern Tiefe, rund einen halben bis einen Kilometer vor der Küste entnommen. Als Nebenprodukt der Magnesiumgewinnung fällt Chlor an, womit die Anlage zugleich die einzige Chlorproduktionsstätte Islands wäre.
Der Bewertungsbericht verweist darauf, dass Magnesium in Europa derzeit nicht hergestellt wird, da es sich um eine besonders energieintensive Industrie handelt. Der Großteil des weltweiten Magnesiums stammt aus China, wo die Produktion überwiegend auf Kohle basiert.
Der Baubeginn der Anlage ist für September 2027 vorgesehen, die vollständige Inbetriebnahme für das Jahr 2029. Die Magnesiumfabrik reiht sich in eine Vielzahl geplanter Industrieprojekte im Hvalfjörður ein, darunter landbasierte Lachszucht, Ammoniakproduktion, ein Kreuzfahrthafen sowie ein Hotel mit natürlichen Thermalbädern.
Kritik an zunehmender Industrialisierung des Fjords
Parallel zu den Plänen der Magnesiumfabrik wächst die Kritik an der kumulierten Umweltbelastung des Hvalfjörður. In einem kürzlich veröffentlichten Kommentar zur geplanten landbasierten Lachszuchtanlage von Aurora Aquaculture wird davor gewarnt, dass der Fjord zunehmend zur „Klärgrube des Landes“ werde. Die Anlage soll Abwässer in einer Größenordnung von über 150.000 Einwohnern verursachen, wobei laut Umweltbericht rund ein Drittel direkt in den Fjord eingeleitet würde. Kritiker verweisen auf Risiken für das sensible Ökosystem, Eutrophierung sowie mögliche Gefahren für Wildlachsbestände und andere Wirtschaftszweige wie den Tourismus. Vor diesem Hintergrund wird gefordert, die Gesamtbelastung aller geplanten Industrieprojekte im Hvalfjörður umfassender zu bewerten.
Foto: Aluminiumwerk in Gundartangi am Hvalfjördur / Von Steinninn Wikimedia commons
Nach jahrelangem Stillstand wollen Gemeinde und Grundstückseigentümer die touristische Entwicklung am Seljalandsfoss gemeinsam neu aufstellen – mit Fokus auf Infrastruktur,…